Love will find out the way
Während seiner Londoner Aufenthalte (1791/92 und 1794/95) lernte der über 60 - jährige Joseph Haydn die vielfältigen Annehmlichkeiten einer kosmopolitischen Stadt und ihrer den Künsten aufgeschlossenen Gesellschaft kennen und schätzen. Er, der sich trotz seiner lebenslangen Anstellung als Kapellmeister der Fürsten Esterhazy eine beachtliche internationale Bekanntheit und – im absolutistisch regierten Österreich des Jahres 1790 - eine erstaunliche persönliche Freiheit erworben hatte, wurde nun ein gern gesehener Gast in den Salons der vornehmen Englischen Gesellschaft. Allen voran war es ANNE HUNTER, die - als Frau des berühmten Londoner Chirurgen John Hunter - einen eleganten Salon führte und Haydn mit der künstlerischen und intellektuellen Elite Londons bekannt machte. Anne Hunter selbst war Dichterin und Mitglied eines Zirkels künstlerisch aufgeschlossener Frauen. Ihre Gedichte, die sie Haydn anvertraute und welche er in seinen "Two Sets of English Canzonettas" neben wenigen Werken anderer Autoren (eines davon von Shakespeare) vertonte, erfreuten sich großer Beliebtheit. Joseph Haydn und Anne Hunter waren einander künstlerisch offensichtlich sehr zugetan.
Unter den wichtigen neuen Bekanntschaften Haydns war auch der aus Schottland stammende Verleger William Napier.Dieser hatte die große Beliebtheit schottischer Volkslieder beim englischen Publikum mit der Veröffentlichung einer „Selection of most favourite Scots Songs“ 1790 zu nutzen verstanden. Zu der Zeit, als Haydn und Napier sich kennenlernten, steckte letzterer in großen finanziellen Schwierigkeiten, worauf sich Haydn bereit erklärte, seinem Freund mit Arrangements der Schottischen Lieder zu helfen, wobei Napier der Name des berühmten Doktor Haydn für den sicheren Erfolg garantierte.
Haydns Popularität erreichte um 1800 ihren Höhepunkt, sein Liedschaffen war noch bis in die 40er Jahre des 19. Jahrhunderts ziemlich bekannt und entschwand dann – ähnlich dem Liedschaffen von Mozart und Beethoven - dem öffentlichen Interesse. Erst nach dem 1. Weltkrieg wandte sich das historische Interesse wieder stärker der Musik des 18. Jahrhunderts zu und führte zu einer neuen Bekanntheit und Beliebtheit des klassischen Liedguts. Darüber hinaus stieg in den letzten Jahrzehnten die Kenntnis des Menschen Haydn, der aus authentischen Briefen als eine von großer Menschlichkeit getragene, starke Persönlichkeit zu uns spricht. Vieles gibt es hier zu entdecken: sein Umgang mit Vorgesetzten, seine menschliche und künstlerische Beziehungsfähigkeit mit Frauen, die ihn prägten, seine Einsamkeit in Esterhaza, aber auch seine Geschäftstüchtigkeit den Verlegern gegenüber. Haydns musikalische Sprache, die noch stark in der barocken „Rhetorik“ wurzelt, aber doch in vielem einen ganz neuen Weg geht und eröffnet, ist tatsächliche eine „Weltsprache“, von der Haydn selbst zu Recht behaupten konnte: „Meine Sprache verstehet man durch die gantze Welt“!
Mit Richard Fuller (Hammerklavier), Lucia Froihofer (Violine), Jörg Zwicker (Violoncello)
